Tschüss Wale…

… denn wir fliegen jetzt wieder nach Hause.

8

Fünf Sterne Luxus auf den Azoren…

Für unseren ersten Tag auf Sao Miguel haben wir uns was besonderes ausgesucht: das verlassene Luxushotel Monte Palace kombiniert die Faszination eines “Lost Place“ mit einer der besten Aussichten auf den ganzen Azoren. Das Wetter ist gut, also nichts wie hin. Schon vor dem Eingang werden wir von Warnschildern und Gittern empfangen.

Warnschilder weisen aus die Gefahren hin
Die Eingänge sind verschlossen

Aber fest entschlossen wie wir sind lassen wir uns davon nicht zurück halten. Mit Räuberleiter und athletischen Einlagen sind die Hindernisse schnell überwunden und wir haben Zugang zum ehemaligen Luxus Hotel.

Langsam schleichen wir uns weiter ins innere des Hotels vor. Ein wenig spooky ist es ja irgendwie schon. Und kaum zu glauben aber wahr: Es ist wirklich kalt!

Das Atrium des Monte Palace

Etage für Etage geht es weiter nach oben. Wir besichtigen die alten Zimmer, Suiten, den Speisesaal, die Bar und die hauseigene Bank. Alles bis auf die Grundmauern leer, kahl und leblos, grade noch zu erahnen, was es einmal war.

Der ehemalige Speisesaal

Zur Geschichte: 1977 wurde Indústria Açoreana Turistico-Hoteleira S.A. (IATH) von belgischen und französischen Investoren mit dem Ziel gegründet die Azoren mit dem Bau von zwei Luxus Hotels touristisch zu entwickeln. Ein Jahr darauf wurde mit der konkreten Planung der beiden Luxus Hotels begonnen. Das erste der beiden Hotels, das Bahia Palace, wurde nahe der Hauptstadt Ponta Delgada am Strand geplant. Das Zweite sollte dem Ersten in nichts nach stehen, aber on top noch einmal etwas ganz besonders sein! Als Prunkstück des Luxus Tourismus musste am herausragendsten aller Punkte auf der Insel gebaut werden: dem Vista do Reis, die “Aussicht der Könige”. An diesem Punkt überblickt man zur einen Seite den Atlantik, zur andren die Sete Cidades, die imposante Landschaft des größten Kratersees der ganzen Azoren. Wirklich königlich!

Aussicht aus einem der 83 Zimmer

Aber der Bau stand unter keinen guten Vorzeichen. Bei der einheimischen Bevölkerung kam die Idee, dort am “königlichen Aussichtspunkt” ein kommerzielles Hotel zu bauen, von Anfang an nicht gut an. Noch problematischer waren aber immer wieder Verzögerungen beim Bau. Es zog sich über Jahre hin und wurde immer teurer. Und das während in den 80ern die Zinsen heftig anzogen. Immer wieder gab es auch jahrelange Baustopps. 1988, also 10 Jahre nach Planungsbeginn, gab es eine Krisensitzung der Bauträger und der mittlerweile zahlreichen beteiligten Banken. Zur Überraschung von vielen Experten kam dabei nicht heraus das Projekt endgültig zu beenden. Stattdessen sollte das schon zu 80-90% fertige Prestigeprojekt in einem letzten Kraftakt endlich fertig gestellt werden!

Am 15. April 1989 wurde das Monte Palace endlich, nach 12 jähriger Entstehungszeit, eröffnet. Es hatte 83 luxuriös ausgestattete Hotelräume, vier große Suiten und eine Präsidenten Suite. Es beschäftigte mehr als 100 Azoreaner, die sich in der American-styled Bar D. Urraca, den beiden Restaurants Dom Carlos und Dona Amelia sowie dem Nachtclub Discoteca Chamarrita um das Wohl der Gäste kümmerten. Bilder vom Bau und dem fertigen Hotel könnt ihr in diesem sehr lesenswerten englischsprachigen Artikel sehen: klick. Alles war perfekt hergerichtet, die Gäste konnten kommen.

Auf der anderen Seite waren massive Kredite und zu hohen Zinssätzen für die dick überzogene Bauzeit zu bedienen. Und – viel dramatischer noch – die Hotelgäste blieben aus. Während die Restaurants und der Nachtclub bei der einheimischen Bevölkerung beliebt waren, blieben die Hotelzimmer aufgrund fehlender Infrastruktur leer. Am Ausblick der Könige gab es außer dem phänomenalen Panorama eben nicht viel anderes. Dafür aber gab es eine längere Anreise von Flughafen, keine Strände, keinen Pool, kein Spa, von einem Golfplatz ganz zu schweigen, das einst geplante Casino wurde nicht von dem Behörden genehmigt, die prunkvolle Terrasse war aufgrund kalter Winde am Kraterrand meist ungemütlich kühl und last but not least: der Ausblick ist bei über 200 Regentagen pro Jahr häufig hinter einer grauen Nebelsuppe versteckt.

Kein Azorenberg entgeht dem Nebel

Es kam also wie es kommen musste. Am 26. November 1990, nur 19 Monate nach seiner Eröffnung, schloss das Monte schon wieder und für immer seine Pforten.

Ob die Ähnlichkeit mit Graf Zahl zufällig ist?

20 Jahre lang, bis 2010, bezahlten verschiedene Investoren noch einen Wächter samt Wachhunden, in der Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung. Bis dahin war das Monte bis auf ein paar Löcher im Dach und Schäden aufgrund von Feuchtigkeit noch vollständig bestückt und ganz gut in Schuss. Als in Folge der Finanzkrise 2010 noch nicht mal mehr ein Investor den Wächter bezahlen konnte, zog dieser aus. Besuche von Dieben und Vandalen nahmen schlagartig zu. Kurze Zeit später war kein Interieur mehr vorhanden. Möbel, Spiegel, Geschirr, Toiletten, Marmor und sogar die Aufzüge… Alles war weg, die Fensterscheiben größtenteils zerstört. Um die Touristen nicht zu gefährden, die bei gutem Wetter aufgrund der prachtvollen Aussicht immer noch am Vista do Reis vorbei kamen, wies die Inselregierung 2012 an, in der nach zwei Jahren ohne Wächter völlig verwüsteten Ruine, alle Fensterscheiben samt Rahmen entfernen lassen. Seit dem steht der einstige Prunkbau vollständig entkernt da und lässt sich von der Natur zurückerobern. Auch mehr oder weniger begabte Graffiti Künstler tragen zum heutigen Charme des Gebäudes bei.

Diese traurige Historie im Hinterkopf arbeiten wir uns Etage für Etage bis aufs Dach hoch. Ja, der Ausblick und die Stimmung sind wirklich phänomenal! Und der Ausflug somit etwas ganz besonderes!

P.s.: Lost Place? Was gehört eigentlich zu einem “Lost Place“ dazu? Verloren ist der Platz sicherlich, keine Frage. Wer allerdings auch Einsamkeit erwartet ist hier definitiv fehl am Platz! Das Monte Palace scheint sich mittlerweile größerer Beliebtheit zu erfreuen als damals in 1989…

Touristen sämtlichen Alters werden mittlerweile in Bussen hier hoch gefahren, die Auto Touristen parken in zwei Reihen so dass sich nicht selten direkt am Monte ein Stau bildet. Am Parkplatz steht sein Souvenir Shop und eine Burger Braterei sorgt für das leibliche Wohl. Und wer es an den, eher Alibi mäßigen, Absperrungen vorbei auf das Dach schafft darf das verbliebene jüngere Publikum scharenweise bei Insta-Posts beobachten 😉

Nicht desto trotz, wir fanden es einen besonderen und mythischen Ausflug! In diesem Sinne…

9

Nordeste ~ Arnel

Etwas abgeschieden im Nordosten liegt der Bezirk Nordeste – Abgeschieden klingt gut, also nichts wie hin! ?

Lange Zeit wurde diese Ecke auf der Insel wirtschaftlich und touristisch vernachlässigt. Die Wege über das Festland waren so schlecht, dass Nordeste zu Fuß oder mit Fahrzeugen nur schwerlich zu erreichen war. In Folge dessen nutzten die Menschen also das Boot als Transportmittel. Den Hafen, den es dazu brauchte, finden wir unten am Ponta do Arnel*

Von einer Aussichtsplattform, ca. 150 Meter über dem Meer, eröffnet sich die Sicht hinunter auf den Leuchtturm von Arnel. Unserem Instinkt folgend, lassen wir das Auto besser stehen und begeben uns zu Fuß auf den Weg nach unten. Schon als wir in die Straße einbiegen geht es steil nach unten, ausgeschildert mit “gefährliche Straße”, “35% Neigung” und “man solle doch besser zu Fuß gehen” …

Wohl wissend “dieser Weg wird kein leichter sein” geht’s erstmal runter zum Leuchtturm.

Nach ein paar kurvenreichen Wendungen (in der prallen Mittagssonne) ist er da – der Farol (portugiesisch Leuchtturm)! Es bietet sich uns eine wahnsinnige Aussicht auf den großen, blauen Atlantik, im Vordergrund das leuchtende Rot der Kuppel… Wunderschön!

Der 1876 gebaute, achteckige Turm ist der älteste Leuchtturm der Azoren.

Leider ist der Zutritt in dieses Exemplar untersagt. ? Also Beine in die Hand und weiter geht der Abstieg runter zum Ponta do Arnel. Die Sonne brennt und die Muskeln in den Beinen auch! Zähne zusammen beißen und durchhalten! Am Ende angelangt liegt vor uns ein zauberhafter, alter und winzig-winzig kleiner Hafen mit ein paar alten Fischerbooten. Die haben wir gleich mal zur Fotolocation umfunktioniert ?

Frank, ich habe heute ein Foto für dich!

Ich habe lange versucht die perfekte “Insta-Pose” zu finden um mich möglichst laaaaange vor dem Aufstieg zu drücken. Aber auch ich musste irgendwann einsehen, dass ein monstermäßiger Sonnenbrand, der sicherlich nahtlos in “den Sonnenstich meines Lebens” übergegangen wäre, in dieser Schatten freien Zone, absolut keine gute Alternative ist. Und somit: Auf ging’s!

Ehrlich! Ihr habt ja keine Ahnung!!!

Finally, we made it! ??

* Schlagzeilen machte Arnel kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs. Im Oktober 1918 hatte das deutsche U-Boot SM U-139 das portugiesische Schlachtschiff Augusto de Castilho 190 Kilometer südwestlich der Azoren versenkt. Nach sechs Tagen auf hoher See strandete ein Rettungsboot des Kriegsschiffs an der Küste beim Ponta do Arnel. Die Matrosen konnten gerettet werden, womit dieser Ort in die Geschichte von Portugal einging.

8

São Miguel (Nachfolgend Selfie-Spam)

Vorweg, wir haben es auf die Insel geschafft…

Was bisher geschah:

Dienstag: Der Wecker klingelt, wir müssen früh aufstehen um unseren Flug von Flores nach São Miguel zu bekommen. Beim Frühstück packen wir uns noch zwei von diesen super leckeren Küchlein ein und dann geht es mit voll beladenem Auto auf zum Flughafen. Am Flughafen gibt es erst eine Durchsage, dann eine Zweite und dann eine Dritte: Unser Flug ist gecanceled!

Wegen Schlechtwetter! Ne, oder!? Doch! Kein Scherz! Wir wurden aber freundlicherweise auf den ersten Flug am Donnerstag (t0+2d) gebucht. Echt jetzt!? Ja! Ähm, ne!? Nicht mit uns! Oder besser gesagt, nicht mit Frank! ? Am Ende war dann aber auch mit ausgetüftelter Gesprächsführung nichts zu machen, denn es ging kein Flieger mehr nach Flores, oder von Flores weg.

Fazit: Wir sitzen auf Flores fest!

SATA(n) spendierte uns großzügig ein Hotel mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen! Also nahmen wir auch alles in Anspruch und haben uns seit langem nicht mehr so gemästet gefühlt. Toll! ??

Mittwoch: Nachdem der Wecker ging wurde der Wetterbericht und die SATA(n) Homepage gecheckt: Wetter wird besser, 2 Plätze verfügbar! Also Attacke: Reiseveranstalter klein geredet (in Kurzform “Gummi geben” ?) und nach einem 5min Sprint-Schlemmerfrühstück (jetzt aber zacki-zacki) auf zum Flughafen, denn wir dürfen boarden! Woohoo!

Auf “den Schock am Morgen” gab’s dann vor der Gatecontrol erstmal 1,5 Liter Cola und 1 Liter Wasser zu verzehren, denn es soll ja nichts verkommen! ? Mit ca. 15min Verspätung und voll gefüllter Blase ging es dann um etwas nach 12 Uhr Ortszeit auf Richtung São Miguel.We made it! ?

8

Roadtrip über die Seenplatte “Sete Lagoas”

Das Hochland von Flores ist eine gewaltige Seenplatte, gegliedert durch zerfurchtete Gebirgszüge und ebenmäßige Vulkankegel. Eine Rundfahrt über dieses einmalige Plateau bleibt unvergesslich …

Autofahrer unter sich – Hier wird sich noch gegrüßt!

Die sieben (portugiesisch: sete) Seen im Überblick: Branka, Seca, Comprida, Negra, Rasa, Funda, Lomba

… Sie alle entstanden bei gigantischen Explosionen, bei denen heißes Magma mit dem Grundwasser in Kontakt kam. Unvorstellbar was hier mal los gewesen sein muss!

Unser letzter See auf der Liste, der Lagoa Lomba, überraschte uns mit erstaunlich wenig Wasser und glich eher einer braun-grünen und sehr kargen Steppe als einem satten, grünen Kratersee… Dies hat rein gar nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern vielmehr damit das die Regenzeit noch nicht begonnen hat – Gut See braucht eben Weile! ?

Wir sind besonders fasziniert von diesen beiden Exemplaren: Dem Lagoa Rasa (10 Hektar groß, 16 Meter tief) und dem Lagoa Funda (35 Hektar groß, 22 Meter tief). Wunderschön in das Meer-Panorama eingebettet liegen sie da und zaubern uns ein breites Lächeln ins Gesicht! Einfach atemberaubend schön und unvergesslich!

?

… Da wir auf Flores gesamt 6 Tage eingebucht hatten, hatten wir unbeschreiblich viel Zeit uns jeden See ausgiebig an zu schauen. Sicherlich können die Seen auch an einem Tag easy abgeklappert werden.

7

Einfach mal chillen …

… Heute war ein entspannter Tag. Flores ist nicht so groß, dass man sich hetzen müsste um alles zu sehen wenn man 6 Nächte bleibt. Im Gegenteil: irgendwie begegnet man an den verschiedensten Stellen auf der Insel immer wieder den gleichen Leuten.

Wir haben es entspannt angehen lassen. Also auf zum Whale-Spotting:

So eine Tour dauert schon mal 3 Stunden 😉 Gesichtet haben wir keine Wale. Aber das Wetter war schön und so haben wir es lange ausgehalten 🙂

Ein anderes Natur Phänomen das auf den Azoren nur einmal vorkommt ist Rocha dos Bordões.

Wenn Lava schnell abkühlt bildet sie solche senkrechten Basalt Säulen. Findet ihr nicht auch, dass das irgendwie aussieht wie ein 570.000 Jahre alter Bartenwal? Dann haben wir also doch noch einen gesehen 🙂

Und zum Abschluss gab es noch einen gewaltigen Sonnenuntergang in unserem Garten.

In diesem Sinne: Gute Nacht.

8

Wasserfall – No.1

Der Cascata do Poço do Bacalhau ist ein Wasserfall, der aus einer Höhe von etwa 90 Metern in einem Teich mündet. Alte Bewässerungssysteme der damaligen Bauern werden dabei heute noch genutzt um das Wasser ins Meer abzuführen, oder für das angrenzende Dorf zu nutzen.

Während der Wasserfall in der Regenzeit sehr aktiv und wuchtig ist, wird er im Sommer nur auf ein Rinnen in den Teich reduziert und wird dann häufig und gerne zum Baden genutzt.

Wir hatten also wahnsinnig viel Glück mit dem Regenwetter der letzten Tage und konnten das Schauspiel der herabfließenden Wassermassen* ausgiebig beobachten! ?

*Der Wasserfall wird aus den Bergen der Inselmitte gespeist, die sehr häufig mit Wolken bedeckt sind.

8

Grün oder Schwarz?

Gestern hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter ? Dafür wurden wir heute um so mehr mit Sonnenschein ☀ beschenkt. Seht selbst!

360°-Bild


Lagoa Comprida (links, grün) & Lagoa Funda (rechts, schwarz)
Die beiden Kraterseen liegen auf einer Höhe von etwa 560 Meter, auf Augenhöhe, direkt nebeneinander. Sie liegen im Naturschutzgebiet Reserva Natural do Morro Alto e Pico da Sé und sind Teil der Landschaft der Sete Lagoas („Sieben Seen“), die im Hochland von Flores liegen. Der dunkle, schwarz anmutende Lagoa Comprida ( „langer See“) ist 4,5 Hektar groß und 17 Meter tief. Sein grüner Nachbar, der 13 Hektar große Lagoa Funda (“tiefer See”) ist mit seinen 105 Metern Tiefe, der mit großem Abstand tiefste Kratersee der Azoren. Welch Ironie, dass der grüne Lagoa Funda hier auf Flores auch Caldeira Negra genannt wird, was soviel bedeutet wie “schwarzer Kessel” ?

“Team Grün”, oder “Team Schwarz”? Welcher Kratersee gefällt euch besser?

?

9

Unser Zuhause auf Flores

Jetzt sind wir auch in unserem Häuschen auf Flores angekommen. Wir haben einen eigenen, großen Garten. Grillplatz mit Blick auf den Sonnenuntergang UND auf die “Attraktivitäten” der Insel: die Wasserfälle. Aber seht selbst im 360° Rundumblick.

Wenn ihr die (i)s anklickt, vergesst nicht die Info über das rote (x) oben rechts wieder zu schließen. Achja – und geht gerne über die Vollbildfunktion, dann kommt die ganze Pracht erst richtig rüber ?

8