Fünf Sterne Luxus auf den Azoren…

Für unseren ersten Tag auf Sao Miguel haben wir uns was besonderes ausgesucht: das verlassene Luxushotel Monte Palace kombiniert die Faszination eines “Lost Place“ mit einer der besten Aussichten auf den ganzen Azoren. Das Wetter ist gut, also nichts wie hin. Schon vor dem Eingang werden wir von Warnschildern und Gittern empfangen.

Warnschilder weisen aus die Gefahren hin
Die Eingänge sind verschlossen

Aber fest entschlossen wie wir sind lassen wir uns davon nicht zurück halten. Mit Räuberleiter und athletischen Einlagen sind die Hindernisse schnell überwunden und wir haben Zugang zum ehemaligen Luxus Hotel.

Langsam schleichen wir uns weiter ins innere des Hotels vor. Ein wenig spooky ist es ja irgendwie schon. Und kaum zu glauben aber wahr: Es ist wirklich kalt!

Das Atrium des Monte Palace

Etage für Etage geht es weiter nach oben. Wir besichtigen die alten Zimmer, Suiten, den Speisesaal, die Bar und die hauseigene Bank. Alles bis auf die Grundmauern leer, kahl und leblos, grade noch zu erahnen, was es einmal war.

Der ehemalige Speisesaal

Zur Geschichte: 1977 wurde Indústria Açoreana Turistico-Hoteleira S.A. (IATH) von belgischen und französischen Investoren mit dem Ziel gegründet die Azoren mit dem Bau von zwei Luxus Hotels touristisch zu entwickeln. Ein Jahr darauf wurde mit der konkreten Planung der beiden Luxus Hotels begonnen. Das erste der beiden Hotels, das Bahia Palace, wurde nahe der Hauptstadt Ponta Delgada am Strand geplant. Das Zweite sollte dem Ersten in nichts nach stehen, aber on top noch einmal etwas ganz besonders sein! Als Prunkstück des Luxus Tourismus musste am herausragendsten aller Punkte auf der Insel gebaut werden: dem Vista do Reis, die “Aussicht der Könige”. An diesem Punkt überblickt man zur einen Seite den Atlantik, zur andren die Sete Cidades, die imposante Landschaft des größten Kratersees der ganzen Azoren. Wirklich königlich!

Aussicht aus einem der 83 Zimmer

Aber der Bau stand unter keinen guten Vorzeichen. Bei der einheimischen Bevölkerung kam die Idee, dort am “königlichen Aussichtspunkt” ein kommerzielles Hotel zu bauen, von Anfang an nicht gut an. Noch problematischer waren aber immer wieder Verzögerungen beim Bau. Es zog sich über Jahre hin und wurde immer teurer. Und das während in den 80ern die Zinsen heftig anzogen. Immer wieder gab es auch jahrelange Baustopps. 1988, also 10 Jahre nach Planungsbeginn, gab es eine Krisensitzung der Bauträger und der mittlerweile zahlreichen beteiligten Banken. Zur Überraschung von vielen Experten kam dabei nicht heraus das Projekt endgültig zu beenden. Stattdessen sollte das schon zu 80-90% fertige Prestigeprojekt in einem letzten Kraftakt endlich fertig gestellt werden!

Am 15. April 1989 wurde das Monte Palace endlich, nach 12 jähriger Entstehungszeit, eröffnet. Es hatte 83 luxuriös ausgestattete Hotelräume, vier große Suiten und eine Präsidenten Suite. Es beschäftigte mehr als 100 Azoreaner, die sich in der American-styled Bar D. Urraca, den beiden Restaurants Dom Carlos und Dona Amelia sowie dem Nachtclub Discoteca Chamarrita um das Wohl der Gäste kümmerten. Bilder vom Bau und dem fertigen Hotel könnt ihr in diesem sehr lesenswerten englischsprachigen Artikel sehen: klick. Alles war perfekt hergerichtet, die Gäste konnten kommen.

Auf der anderen Seite waren massive Kredite und zu hohen Zinssätzen für die dick überzogene Bauzeit zu bedienen. Und – viel dramatischer noch – die Hotelgäste blieben aus. Während die Restaurants und der Nachtclub bei der einheimischen Bevölkerung beliebt waren, blieben die Hotelzimmer aufgrund fehlender Infrastruktur leer. Am Ausblick der Könige gab es außer dem phänomenalen Panorama eben nicht viel anderes. Dafür aber gab es eine längere Anreise von Flughafen, keine Strände, keinen Pool, kein Spa, von einem Golfplatz ganz zu schweigen, das einst geplante Casino wurde nicht von dem Behörden genehmigt, die prunkvolle Terrasse war aufgrund kalter Winde am Kraterrand meist ungemütlich kühl und last but not least: der Ausblick ist bei über 200 Regentagen pro Jahr häufig hinter einer grauen Nebelsuppe versteckt.

Kein Azorenberg entgeht dem Nebel

Es kam also wie es kommen musste. Am 26. November 1990, nur 19 Monate nach seiner Eröffnung, schloss das Monte schon wieder und für immer seine Pforten.

Ob die Ähnlichkeit mit Graf Zahl zufällig ist?

20 Jahre lang, bis 2010, bezahlten verschiedene Investoren noch einen Wächter samt Wachhunden, in der Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung. Bis dahin war das Monte bis auf ein paar Löcher im Dach und Schäden aufgrund von Feuchtigkeit noch vollständig bestückt und ganz gut in Schuss. Als in Folge der Finanzkrise 2010 noch nicht mal mehr ein Investor den Wächter bezahlen konnte, zog dieser aus. Besuche von Dieben und Vandalen nahmen schlagartig zu. Kurze Zeit später war kein Interieur mehr vorhanden. Möbel, Spiegel, Geschirr, Toiletten, Marmor und sogar die Aufzüge… Alles war weg, die Fensterscheiben größtenteils zerstört. Um die Touristen nicht zu gefährden, die bei gutem Wetter aufgrund der prachtvollen Aussicht immer noch am Vista do Reis vorbei kamen, wies die Inselregierung 2012 an, in der nach zwei Jahren ohne Wächter völlig verwüsteten Ruine, alle Fensterscheiben samt Rahmen entfernen lassen. Seit dem steht der einstige Prunkbau vollständig entkernt da und lässt sich von der Natur zurückerobern. Auch mehr oder weniger begabte Graffiti Künstler tragen zum heutigen Charme des Gebäudes bei.

Diese traurige Historie im Hinterkopf arbeiten wir uns Etage für Etage bis aufs Dach hoch. Ja, der Ausblick und die Stimmung sind wirklich phänomenal! Und der Ausflug somit etwas ganz besonderes!

P.s.: Lost Place? Was gehört eigentlich zu einem “Lost Place“ dazu? Verloren ist der Platz sicherlich, keine Frage. Wer allerdings auch Einsamkeit erwartet ist hier definitiv fehl am Platz! Das Monte Palace scheint sich mittlerweile größerer Beliebtheit zu erfreuen als damals in 1989…

Touristen sämtlichen Alters werden mittlerweile in Bussen hier hoch gefahren, die Auto Touristen parken in zwei Reihen so dass sich nicht selten direkt am Monte ein Stau bildet. Am Parkplatz steht sein Souvenir Shop und eine Burger Braterei sorgt für das leibliche Wohl. Und wer es an den, eher Alibi mäßigen, Absperrungen vorbei auf das Dach schafft darf das verbliebene jüngere Publikum scharenweise bei Insta-Posts beobachten 😉

Nicht desto trotz, wir fanden es einen besonderen und mythischen Ausflug! In diesem Sinne…

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