Vogesentour – Tag 4: Kleinblittersdorf → Düren (318 km)

Kurven, Kaffeeduft und die Erkenntnis des Tages

Der Wecker klingelt ungewohnt früh. Frühstück gibt es nur bis 9 Uhr – und das wird in unserem kleinen Hotel in Kleinblittersdorf offenbar sehr genau genommen. Es passt gut: Heute steht die Rückreise an, und allzu spät ankommen wollen wir ohnehin nicht.

Aus Mangel an echten Fotos hat uns KI ausgeholfen 😀

Die Etappe ist mit knapp über 300 Kilometern vergleichsweise kurz. Dennoch zeigt sich schnell: Ein guter Routenplaner kann nicht zaubern – und Kurviger ist auch nicht allmächtig.


Wenn aus “kurvig” einfach nur kleinteilig wird

Schon kurz nach dem Start werden wir erneut durch eine Reihe von Wohngebieten geleitet. Kurvig, ja – aber eben nicht im Sinne von fahrerisch reizvoll. Sobald die Strecke aus dem gebirgigen Bereich herausführt, bleibt von der Fahrfreude wenig übrig. Der Plan steht fürs nächste Mal: Solche Transferabschnitte besser direkt auf die Autobahn verlagern, um die interessanten Strecken gezielt anzusteuern.

Verdeck auf – aber mit Maß

Als die Sonne langsam durchkommt, wird das Thema Frischluft aktuell. Im Porsche öffnet sich das Verdeck elegant während der Fahrt. In der Exige wäre das ebenfalls möglich, wenn auch deutlich rustikaler…

Letztlich halten wir an und öffnen klassisch – beide mit dem Ziel, den trockenen Abschnitt des Tages auch oben ohne zu genießen.


Endlich wieder Strecke

Ab dem frühen Nachmittag wird die Streckenqualität wieder besser. Die Route führt in die Vulkaneifel, der Verkehr nimmt ab, der Belag verbessert sich. Ein versöhnlicher Abschluss. Wären da nicht die unzähligen Umleitungen: Teils angekündigt, teils spontan. In Summe werden wir rund 20-mal zur Routenänderung gezwungen.

Perfekte Bedingungen

Eine der Sperrungen ignorieren wir – mit Erfolg. Wir kommen ein paar km weit, dann ist der Weg versperrt. Nach etwa fünf Minuten Diskussion mit zwei Bauarbeitern, die mit ihrem Lastwagen die gesamte Straße blockieren, wird dieser für uns zur Seite gefahren. Die Teerdecke ist frisch, aber offenbar befahrbar.

Walkie-Talkies: Die Entdeckung der Tour

Nach gefühlt fünfzehn Roadtrips haben wir es dieses Jahr endlich geschafft, ein Kommunikationsmittel einzusetzen, das schon bei den ersten Kilometern einen klaren Mehrwert lieferte: Walkie-Talkies.

Wo sonst wilde Handzeichen, Lichthupe und fragende Blicke über Rückspiegel und Seitenfenster für mehr Missverständnisse als Klarheit sorgten, herrschte nun fast schon Funkdisziplin – mit gelegentlichen Ausreißern in Richtung improvisierter Comedy. Hinweise zu Schlaglöchern, “Drempeln”, Ankündigungen von (verpassten) Richtungswechseln oder einfach nur ein spontaner Kommentar zur französischen Straßenbaupolitik: Die Walkie-Talkies machten alles mit.

Echter Mehrwert!

Schnell wurde klar: Die kleinen Geräte waren die heimlichen Stars unserer diesjährigen Tour. Nicht wegen der Technik, sondern weil sie aus zwei getrennt fahrenden Autos eine gemeinsame Geschichte machten – in Echtzeit.

Ankunft mit Kuchen – und der Tank ist auch noch voll

Gegen 15:00 Uhr erreichen wir Düren. Der Empfang ist herzlich – Kaffee, Kuchen, ein paar kurze Geschichten vom Tag. Der Boxster bekommt noch eine Wäsche, die Exige darf sich zumindest im Schatten abkühlen. So endet die Tour aufgeräumt und trocken.

Mit vereinten Kräften und genügend Downforce.

Statistiken & Kleingedrucktes

  • Gesamtstrecke: 1.428 km
  • Durchschnittliche Fahrzeit pro Tag: ca. 8:15 Stunden
  • Baustellenbedingte Umleitungen: ca. 20
  • Ignorierte Sperrungen: mindestens 4
  • Ungeplante Bekanntschaften:
    • 1 sportlich fahrender MX-5-Pilot
    • 2 Bauarbeiter mit Verständnis
    • 1 schweizer Passbremse
    • 1 fahrradfahrendes britisches Pärchen mit Benzin im Blut
  • Kulinarischer Höhepunkt: Elsässer Eintopf mit drei Fleischsorten (Tag 3)
  • Verpasst: Col de la Schlucht im Trockenen erleben
  • Zitat des Trips: „Ich kann riechen, wenn du Vollgas gibst.“
Eingeparkt!

Fazit

Warum ich den Kopf einziehe? Nach 1200 km im Lotus denkt man eben, überall sei wenig Platz über’m Kopf.

Vier Tage auf teils spektakulären, teils überraschend unspektakulären Strecken. Der dritte Tag stellt unsere Geduld auf die Probe – der vierte bringt dafür einen versöhnlichen Ausklang. Kurven, Wetter und Navigation waren nicht immer auf unserer Seite, aber unterm Strich bleibt: Zwei Sportwagen, eine gute Portion Improvisation, und am Ende deutlich mehr Geschichten als geplant.

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Vogesentour – Tag 3: Saint-Maurice-sur-Moselle → Kleinblittersdorf (376 km)

Ein Feiertag, vier Pässe, fünf Fehlentscheidungen – und ein Eintopf, der alles wieder gutmacht

Manche Tage beginnen mit einem Kaffee. Andere mit einer Blaskapelle. Punkt 7:30 Uhr schallt die Marseillaise durchs offene Fenster, gespielt von einer örtlichen Formation in voller Montur. Wir finden’s sympathisch, sind aber noch zu müde, um uns mehr dabei zu denken.

Sicht vom Frühstückstisch auf den wolkenverhangenen ersten Pass

Der Start verläuft gemächlich. Das Unwetter der Nacht verliert sich in leichtem Nieselregen, milde Temperaturen, ein spätes Frühstück. Um Punkt 10:00 Uhr sitzen wir im Auto. Die Exige ist nachts zum ersten Mal in ihrem Leben ernsthaft nass geworden, der Boxster auch erst zum zweiten Mal überhaupt – aber beide nehmen es stoisch. Traktion? Hervorragend. Spaß? Vorhanden. Aber: wir haben es nicht drauf angelegt, den Grenzbereich auszureizen.

Auffahrt zum ersten Pass, bei kaum 50 Metern Sicht

Der erste Pass führt auf nassem Asphalt durch neblige Höhenlagen, der Fahrspaß hält sich dabei in engen, aber sicheren Grenzen. Immerhin funktioniert beim Boxster alles wie vorgesehen: Verdeck dicht, Scheibenwischer tadellos, keine Überraschungen. Porsche halt.


Feldwegfrust

Dann der erste Navigations-Fauxpas: Die Karte verspricht einen kurvigen Höhenzug mit bester Aussicht, tatsächlich geraten wir auf einen Feldweg mit Hangneigung, Schlaglöchern und dem Fahrkomfort eines alten Ackerschleppers. An Wenden ist nicht zu denken – links Abhang, rechts Fichten, unten Geröll. Die Straßenqualität sinkt im Minutentakt, die Stimmung im Fahrzeug ebenfalls. Die Exige meldet leise Protest, der Boxster wippt nur stumm vor sich hin.

Hier wussten die beiden noch nicht, was auf ihre Fahrwerke gleich zukommen würde …

Wir retten uns in eine Nebenstraße, aktivieren aus Verzweiflung die „kleine Straßen vermeiden“-Funktion im Navi und lernen: Stufe 4 ist das neue Minimum. Ab da wird’s fahrbar.

Heile aus der Buckelpiste rausgekommen

Kulinarische Zwischenbilanz

Der Verkehr nimmt zu, das Wetter bleibt wechselhaft. Am frühen Nachmittag sitzen wir in der Auberge Gazon du Faing – mit Blick auf die Vogesen und einem deftigen elsässischen Eintopf im Teller. Drei Fleischsorten, warmer Dampf, schwere Soße. Leider erst nach 30 Minuten, denn man hat uns schlicht vergessen. Seppo fragt höflich nach, das Essen kommt – und zeitgleich der nächste Regen.

Kommt spät, dann aber gewaltig: Elsässer Eintopf

Die nachmittäglichen Pässe werden somit wieder zu einer Mischung aus Vorsicht, Nebel, und durchdrehenden Gedanken.

Viel Sonne, aber noch keine Suppe

Spritkrise mit Feiertagsflair

Gegen 17:00 Uhr beschließen wir, eine ursprünglich in Richtung Pierre-Percée geplante Schleife zu streichen und manuell Richtung Unterkunft zu navigieren. Leider führen unsere Umwege dazu, dass die Exige gefährlich in Richtung Reservemodus driftet – allerdings ohne dabei anzuzeigen, wie viel „Reserve“ überhaupt übrig ist . Solch moderne Features sucht man im Lotus vergeblich. „Wie, der zeigt keine Restreichweite an?“ fragt Seppo mehrfach und ungläubig …

Volldigitales Display in der Exige, komplett ohne Anzeige der Restreichweite

Einen Google-Suchlauf später steuern wir spritsparend eine Tankstelle in 6 km Entfernung an – nur um dort eine geschlossene Tür und ein handgeschriebenes Zettelchen vorzufinden. Die Tankstelle hat zu. Und das, obwohl sie laut Google eigentlich bis 19:00 Uhr offen hätte.

Ein Blick auf den Kalender erklärt alles: 14. Juli. Nationalfeiertag. Jetzt fügt sich auch die Blaskapelle des Morgens und das allgemein hohe Aufkommen an Ausflüglern und Wohnmobilen zu einem Gesamtbild zusammen. Wir Helden haben unsere Vogesen-Tour über das einzige landesweit gültige lange Wochenende der Franzosen geplant!

Noch ein letztes Mal mit dem günstigeren französischen Super Plus auffüllen

Wir segeln mit ausgeschaltetem Lüfter, flacher Gaspedalstellung und latenter Nervosität zur nächsten Tankstelle – 15 km entfernt. Es reicht. 36 Liter fließen in den 40-Liter-Tank der Exige. Alles halb so wild – 20 km wären wohl locker noch gegangen. Aber das Adrenalin bleibt.


Das Highlight – und ein Schweizer

Am späten Nachmittag wird es dann doch noch ein richtig guter Tag. Wir erwischen eine 16 km lange Passstraße zwischen Col du Donon und Kaysersberg, gut ausgebaut, trocken, frei – jedenfalls für genau 2 km. Dann fährt sich ein Schweizer Kleinwagen direkt vor uns fest, der wiederum selbst nicht an zwei Fahrrädern vorbeikommt.

Männer, die auf Seen starren

Vier Meter Fahrbahnbreite, beste Sicht auf einem halben Kilometer, aber keine Aktion. „He is overthinking it“, kommentiert Seppo trocken. Nach ein paar freundlich-bestimmten Gesten lässt uns der Schweizer schließlich vorbei, wir überholen auch die beiden Radfahrer – und genießen den Rest des Passes in vollen Zügen.


Ankunft in Kleinblittersdorf

Die letzte halbe Stunde wird von der Kurviger-App bestimmt, die uns durch sämtliche Wohngebiete der Umgebung leitet. Links, rechts, Tempo-30, zwei Kreisel. Reizvoll ist anders. Wir stellen auf Google Maps um – schnellster Weg – und rollen gegen 20:30 Uhr im Hotel ein.

8 Stunden 40 Minuten Fahrzeit, ein vergessener Eintopf, eine fast leere Tankanzeige, ein verhinderter Pass und ein erlösendes Stück Fahrfreude zum Schluss.

Nicht der einfachste Tag. Aber am Ende: einer, der hängen bleibt.

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