Ein Feiertag, vier Pässe, fünf Fehlentscheidungen – und ein Eintopf, der alles wieder gutmacht
Manche Tage beginnen mit einem Kaffee. Andere mit einer Blaskapelle. Punkt 7:30 Uhr schallt die Marseillaise durchs offene Fenster, gespielt von einer örtlichen Formation in voller Montur. Wir finden’s sympathisch, sind aber noch zu müde, um uns mehr dabei zu denken.

Der Start verläuft gemächlich. Das Unwetter der Nacht verliert sich in leichtem Nieselregen, milde Temperaturen, ein spätes Frühstück. Um Punkt 10:00 Uhr sitzen wir im Auto. Die Exige ist nachts zum ersten Mal in ihrem Leben ernsthaft nass geworden, der Boxster auch erst zum zweiten Mal überhaupt – aber beide nehmen es stoisch. Traktion? Hervorragend. Spaß? Vorhanden. Aber: wir haben es nicht drauf angelegt, den Grenzbereich auszureizen.

Der erste Pass führt auf nassem Asphalt durch neblige Höhenlagen, der Fahrspaß hält sich dabei in engen, aber sicheren Grenzen. Immerhin funktioniert beim Boxster alles wie vorgesehen: Verdeck dicht, Scheibenwischer tadellos, keine Überraschungen. Porsche halt.
Feldwegfrust
Dann der erste Navigations-Fauxpas: Die Karte verspricht einen kurvigen Höhenzug mit bester Aussicht, tatsächlich geraten wir auf einen Feldweg mit Hangneigung, Schlaglöchern und dem Fahrkomfort eines alten Ackerschleppers. An Wenden ist nicht zu denken – links Abhang, rechts Fichten, unten Geröll. Die Straßenqualität sinkt im Minutentakt, die Stimmung im Fahrzeug ebenfalls. Die Exige meldet leise Protest, der Boxster wippt nur stumm vor sich hin.

Wir retten uns in eine Nebenstraße, aktivieren aus Verzweiflung die „kleine Straßen vermeiden“-Funktion im Navi und lernen: Stufe 4 ist das neue Minimum. Ab da wird’s fahrbar.

Kulinarische Zwischenbilanz
Der Verkehr nimmt zu, das Wetter bleibt wechselhaft. Am frühen Nachmittag sitzen wir in der Auberge Gazon du Faing – mit Blick auf die Vogesen und einem deftigen elsässischen Eintopf im Teller. Drei Fleischsorten, warmer Dampf, schwere Soße. Leider erst nach 30 Minuten, denn man hat uns schlicht vergessen. Seppo fragt höflich nach, das Essen kommt – und zeitgleich der nächste Regen.

Die nachmittäglichen Pässe werden somit wieder zu einer Mischung aus Vorsicht, Nebel, und durchdrehenden Gedanken.

Spritkrise mit Feiertagsflair
Gegen 17:00 Uhr beschließen wir, eine ursprünglich in Richtung Pierre-Percée geplante Schleife zu streichen und manuell Richtung Unterkunft zu navigieren. Leider führen unsere Umwege dazu, dass die Exige gefährlich in Richtung Reservemodus driftet – allerdings ohne dabei anzuzeigen, wie viel „Reserve“ überhaupt übrig ist . Solch moderne Features sucht man im Lotus vergeblich. „Wie, der zeigt keine Restreichweite an?“ fragt Seppo mehrfach und ungläubig …

Einen Google-Suchlauf später steuern wir spritsparend eine Tankstelle in 6 km Entfernung an – nur um dort eine geschlossene Tür und ein handgeschriebenes Zettelchen vorzufinden. Die Tankstelle hat zu. Und das, obwohl sie laut Google eigentlich bis 19:00 Uhr offen hätte.
Ein Blick auf den Kalender erklärt alles: 14. Juli. Nationalfeiertag. Jetzt fügt sich auch die Blaskapelle des Morgens und das allgemein hohe Aufkommen an Ausflüglern und Wohnmobilen zu einem Gesamtbild zusammen. Wir Helden haben unsere Vogesen-Tour über das einzige landesweit gültige lange Wochenende der Franzosen geplant!

Wir segeln mit ausgeschaltetem Lüfter, flacher Gaspedalstellung und latenter Nervosität zur nächsten Tankstelle – 15 km entfernt. Es reicht. 36 Liter fließen in den 40-Liter-Tank der Exige. Alles halb so wild – 20 km wären wohl locker noch gegangen. Aber das Adrenalin bleibt.
Das Highlight – und ein Schweizer
Am späten Nachmittag wird es dann doch noch ein richtig guter Tag. Wir erwischen eine 16 km lange Passstraße zwischen Col du Donon und Kaysersberg, gut ausgebaut, trocken, frei – jedenfalls für genau 2 km. Dann fährt sich ein Schweizer Kleinwagen direkt vor uns fest, der wiederum selbst nicht an zwei Fahrrädern vorbeikommt.

Vier Meter Fahrbahnbreite, beste Sicht auf einem halben Kilometer, aber keine Aktion. „He is overthinking it“, kommentiert Seppo trocken. Nach ein paar freundlich-bestimmten Gesten lässt uns der Schweizer schließlich vorbei, wir überholen auch die beiden Radfahrer – und genießen den Rest des Passes in vollen Zügen.
Ankunft in Kleinblittersdorf
Die letzte halbe Stunde wird von der Kurviger-App bestimmt, die uns durch sämtliche Wohngebiete der Umgebung leitet. Links, rechts, Tempo-30, zwei Kreisel. Reizvoll ist anders. Wir stellen auf Google Maps um – schnellster Weg – und rollen gegen 20:30 Uhr im Hotel ein.
8 Stunden 40 Minuten Fahrzeit, ein vergessener Eintopf, eine fast leere Tankanzeige, ein verhinderter Pass und ein erlösendes Stück Fahrfreude zum Schluss.
Nicht der einfachste Tag. Aber am Ende: einer, der hängen bleibt.
Eintopf schmeckt bekanntlich am besten aufgewärmt – Bring mir was mit! ?? Weiterhin viel Spaß heute, viel Erfolg mit den Tankstellen und allen eine gute Heimreise! ?? Wir freuen uns auf dich ❤️
Ich beeile mich 🙂
:-*